Es war eine Illusion, dessen war ich mir vollends bewusst, aber dennoch traute ich mich nicht, auch nur einen Mucks von mir zu geben oder mich einen Millimeter zu bewegen. Plötzlich kam mir ein Gedanke: Wenn das hier Wish House ist, wo sind dann meine Schwester und ich? Noch bevor ich den Gedanken zuende gebracht hatte, bemerkte ich eine Gestalt neben mir. Sie stand einfach da, beobachtete wie ich die Kinder. Eine ausgewaschene Jeans, braune Stiefel, ein weißes Shirt und eine braune Lederjacke kleideten die Gestalt neben mir, doch wirklich auffällig waren nur zwei Dinge. Erstens trug die Gestalt das Medaillon um den Hals, was für mich noch das am wenigsten Erschreckende Detail war. Die zweite Auffälligkeit war...schwer in Worte zu fassen. Die Gestalt beobachtete die Kinder aus leeren Augenhöhlen. Da waren keine Augen, die sich bewegten und die Kinder ansahen. Da waren zwei leere, blutige Löcher. Und dann sah es oder eher er auch noch zu mir herunter. Ich war einer Ohnmacht nahe, doch irgendetwas hielt mich wach. Vielleicht lag es daran, dass ich mich sowieso schon in einem Traum befand. Und zu allem Überfluss begann er dann auch noch zu sprechen.
"Wir bleiben hier immer gefangen, hm?", sagte er in einem ruhigen und ungewöhnlich angenehmen Ton zu mir. Ich konnte nicht antworten. Es war fast, als hätte ich die Kontrolle über meine Zunge verloren. Dann sah er mich an und lächelte, setzte eine Sonnenbrille auf und sprach weiter: "Du erkennst mich nicht mehr, hm? Das ist eine echte Ironie. Ich habe keine Augen mehr und erkenne dich noch auf hundert Meilen, Vic. Und du hast noch dein Augenlicht, aber erkennst deine erste Kindergartenliebe nicht mehr wieder."
Ich muss ausgesehen haben wie jemand, dem man gerade ins Knie geschossen hatte. Er lächelte mich weiter an und ich starrte fassunglos in seine leeren Augenhöhlen. Nun fiel mir endlich auf, dass ich noch immer auf dem Boden lag. Plötzlich wieder klar im Kopf, sprang ich auf und klopfte mir den Schmutz von den Klamotten. Dann richtete ich notdürftig meine Haare und bemerkte, dass ich mich wie der letzte Vollidiot aufführte. Was tat ich hier? Er war wahrscheinlich nicht mal real. Trotzdem musste ich irgendwie reagieren. "Was suchst du hier, George? Ich dachte, du wärst damals abgehauen? Noch bevor ich mich verpisst habe." Sein Lächeln verschwand, als ich meine Frage beendete. Sein Ton wurde kühl und wenn er Augen gehabt hätte, hätten ihm wahrscheinlich Tränen darin gestanden. "Silent Hill lässt niemanden gehen, Victoria. Das sollte dir spätestens in diesem Moment klar sein. Ich bin seit einem halben Jahr hier, vermute ich. Es können genauso gut fünf Jahre sein. Ich war auf der Suche nach meinem Bruder. Und du? Du suchst deine Schwester, vermute ich?" Ich sah ihn an, dann aus Scham wieder zur Seite. Wie konnte ich ihn nur vergessen? Wie konnte ich zulassen, dass all das geschah? Ich hatte ihm geschworen, dass wir uns nach der Flucht etwa zwei Meilen hinter der Stadt an einer Tankstelle treffen würden, aber ich bin nie erschienen. Ich hatte ihn einfach vergessen und nun waren wir beide wieder hier, an derselben Stelle.
"Hast du deinen Bruder gefunden, Georgie?" Er sah gen Himmel und atmete tief durch. Dann lächelte er wieder und sah mich an. "Ja, das habe ich. Aber...Harry war nicht mehr derselbe, weißt du. Diese Stadt hat ihn gefressen und ich bin nun auch wieder hier gefangen." Nun nahm er meine Hand und drehte sich zu mir. Ich wehrte mich nicht, mein Körper wurde schlagartig stocksteif. Wie vereist stand ich da und starrte ihn an. "Vic, Samantha ist noch hier. Aber du kannst nichts für sie tun. Sie werden sie nicht gehen lassen und wenn du hier bleibst, haben sie genau das, was sie wollen. Du kannst Sam nicht retten. Also flieh. Bevor es zu spät ist." Er gab mir einen Kuss auf die Wange und auf meinem gesamten Körper bildete sich eine Gänsehaut. Nun öffnete sich die Tür des Waisenhauses. Laut quietschend eröffnete sie den Schlund der Hölle und George verschwand darin. Alles verschwand und nur der Nebel blieb. Ehe ich mich versah, war ich wieder in der Stadt. Und in der Hand hielt ich das Medaillon.
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Endlich geht es weiter mit Silent Hill. Hat ja auch lange genug gedauert, nech? Als nächstes kommt mal wieder eine eigenständige Kurzgeschichte mit einem etwas anderem Thema. Mal sehen, wie euch das gefällt. Aber jetzt wünsch ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen.
Bis dann,
Maexwell.

Oh, wow! Das ging richtig unter die Haut!
AntwortenLöschen"Wenn er Augen gehabt hätte, hätten ihm wahrscheinlich Tränen darin gestanden." :')
Und so eine blöde Kuh, warum hat sie ihn zurückgelassen und vergessen???
Tjah...das kommt in Part 8 raus. :P Hab schon neun Parts fertig und poste die nun nach und nach.
LöschenFreut mich, dass dir mein Geschreibe gefällt. :)
Im Nachhinein habe ich erst gecheckt, dass es sich um eine Geschichte mit Teilen handelt. Finde ich gut, dass man kein Problem hat, hineinzutauchen. :)
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