Mittwoch, 7. Oktober 2015

Der Mann am Strand

Es war einmal ein alter Mann
Gelebt hat er schon ewig lang
Das Haar zerzaust von Wind und Gischt
Und tiefen Sorgen im Gesicht.

Niemand weiß, was dort geschah

Niemand konnte sagen, was man dort sah
Man sagt, gekommen ist er mit der Flut
Und dass er den Heimweg mit der Ebbe sucht.

Zerschlissene Kleider bedeckten den Leib

Narben erzählten Geschichten von Leid
Von alten Tränen und Schmerz und Verlust
Doch niemals sah man im Gesicht den Verdruss.

Eines war seltsam, mehr als alles And're

Und zwar was er hielt so fest in den Händen
Links, einen Kompass ohne Nadel mehr
Und rechts eine Uhr, das Ziffernblatt leer.

Hundert Jahre sah man den Mann dort stehen

Kommen im Dämmerlicht, mit der Dämm'rung gehen
Und viele Legenden rankten sich um sein Bild
Doch jeglicher Suche blieb ungestillt.

Warum er dort stand ist eine Trauergeschicht'

Und doch wunderschön wie ein Liebesgedicht
Er wartete dort auf sein Kind, das gegangen
Schon vor vielen, schier unzählbaren Tagen.

Es war eine Zeit der Entbehrung und Armut

Die Menschen, verdrießlich und voller Wut
Sein Sohn ging fort und sagte: Liebster Vater,
Ich suche uns den Sonnenschein, wirst du auch warten?

Doch er kam nie zurück, das Warten vergebens

Und so stand er dort für den Rest seines Lebens
Wartend, nie klagend, aber von Trauer erfüllt
Nur Uhr und Kompass und Hoffnung ihn hält.

Die Uhr und der Kompass, Geschenke des Sohnes

Gekauft vom Geld des hundertsten Lohnes
Der Sohn ließ sie zurück für seinen Vater zum Abschied
Summte beim Abschied das letzte, stille Lied:

"Vater, oh Vater, ich gehe nun fort

An einen wunderschönen Ort.
Doch verzag nicht, mein Vater, ich hole dich zu mir
Und dann leben wir auf ewig hier.

Vater, oh Vater, der Kompass in der Hand

Zeigt auf mich, nicht auf das Land.
Vater, mein Vater, die Uhr, die ich dir gegeben
Zeigt die Zeit, bis ich zu dir wiederkehre."

Doch er kam nie zurück, das Meer hat ihn geholt

Der Kompass zeigt, wo seine Seele nun treibt.
Und die Uhr, die nicht mit Zeigern misst
Zeigt, wie viel Zeit schon vergangen ist.

Der Vater wird warten für alle Zeit

Und macht sich für die Rückkehr des Sohnes bereit.
Eine endlose Liebe die niemals stirbt
Bindet Vater und Sohn bis in die Ewigkeit.

Quelle: http://lewiscarroll3u.wikia.com/wiki/File:Sad-beach.jpg

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Na? Hab ich zu viel versprochen? Ich sprudle über vor Inspiration! Und damit wieder mal Hallo von mir! Das hier ist ein Gedicht, das ich vor wenigstens vier Jahren begonnen habe. Ich habe mich heute beim Musik hören daran erinnert und MUSSTE es fertigstellen. Und ich bin sehr zufrieden damit! Ich hoffe, dass es auch euch gefällt. Ein wenig Poesie peppt das Gesamtbild meines Blogs sicher auf.

Wie immer wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

Bis dann,

Maexwell.

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