Donnerstag, 7. Januar 2016

Die Kinder von Silent Hill - Prolog - Erinnerungen

Erinnerungen sind wie Nebel. Manchmal sieht man die Hand vor Augen einfach nicht. Sie verschließen sich vor uns, verstecken sich im dichten Morast unseres Geistes. Manchmal treibt es einen in den Wahnsinn. Man weiß, dass dort etwas ist. Man sieht die Umrisse, aber der Rest will einfach nicht aus seinem Versteck kommen. Und je mehr man darüber nachdenkt, desto nebliger wird es, bis der Umriss nichts weiter als ein Schatten wird, der irgendwo weit, weit weg verschwindet, bis wir nicht mehr daran denken. Ja. So ist das manchmal. Aber...manche Erinnerungen sollte im Nebel verborgen bleiben. Sollten niemals wieder das Licht des Tages erblicken und sich wie Maden an ihrer Wärme laben. Sie sind grausam und sie werden immer deutlicher, je mehr wir uns zwingen, sie nicht vor Augen zu haben. Und dann ist es nicht der Nebel, der uns umgibt, sondern die Silhouetten dieser gefräßigen Gedanken, die ewig nicht verschwinden wollen. Und dann...dann gibt es noch die gefährlichen Erinnerungen. Die, die im Nebel lauern. Die uns zuflüstern. Wir sehen sie nicht. Keine Umrisse, nur Geflüster. Irgendwo, weit weg im Erinnerungsnebel verborgen. Und dort sollten sie bleiben. Aber das tun sie nicht. Das tun sie nie. Und sie fallen über uns her, wenn wir es am wenigsten erwarten. Sie lassen uns schweißgebadet aufwachen, mit Tränen in den Augen und wir haben nicht den blassesten Schimmer, woher der Schuss eigentlich kam. Und dann plagt es uns. Lässt uns nicht zufrieden. So ging es mir. Zumindest so ähnlich.

Ich habe geträumt. Ich konnte alles sehen und doch nichts. Ich war da, aber ich war es gleichzeitig auch nicht. Alles war so surreal und doch war mir alles vollkommen klar. Und dann...das Symbol. Ich bin schreiend aufgewacht und habe meine Nachttischlampe beim Versuch, sie einzuschalten, mit einem lauten Scheppern zu Boden geworfen. Als das Licht dann endlich an war, konnte ich es noch immer an meinen kahlen, weißen Wänden sehen. Der Halo of the Sun. Ich wusste nicht woher und ich wusste auch nicht, warum. Ich hatte ihn seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen und plötzlich schoss er mir durch den Kopf wie Gewehrfeuer. Ohne nachzudenken bin ich in mein Arbeitszimmer gerannt. Ich wusste genau, wo ich nachsehen musste. Mein kleines, chaotisches Universum aus Zetteln, Büchern und Bildern. Niemand sonst konnte wissen, wo das lag, was ich suchte. Aber mich rief es. Ein kehliger Schrei aus der Ferne, der immer lauter wurde, je näher ich dem kam, was ich suchte. Im tiefsten Winkel meiner kleinen Welt fand ich ihn, eingewickelt in Zeitungspapier und verschlossen in einer kleinen, verzierten Holzkiste. Gerahmt in einem zerkratzen Rahmen ohne Glas. Als ich sie berührte, durchzuckte ein scharfer Schmerz meinen Kopf und tausende Bilder flogen in meinen Gedanken herum. Es dauerte einen Moment, ehe ich mich gesammelt hatte. Mit zitternden Händen Öffnete ich die Kiste und entfernte das raschelnde Papier. Das Bild war alt und bereits sehr verblichen, doch ich sah die Menschen und den Ort darauf so klar wie niemals zuvor. Ich, als kleines Mädchen. Acht Jahre alt und ohne Lächeln auf den Lippen. Das einst weiße Kleid ausgewaschen und grau. Neben mir ein Mädchen, das mir zum verwechseln  ähnlich sah. Ein breites Lächeln auf den Lippen mit einer schmutzigen Hose und einem viel zu weiten, blauen Pullover und einer Puppe in der Hand, die genauso breit grinste. Und hinter uns eine Frau mit langen, starken Fingern und einer Robe, so schwarz wie die Nacht mit einem schneeweißen Kragen. Auch sie lächelte, aber eher wissend und ruhig. Ihre Hände lagen auf unseren Schultern. Und hinter ihr ein altes Haus. Umgeben von einem dichten Wald, weit weg der ruhende Toluca Lake.

Wish House.

Manche Erinnerungen sind wie neblige Silhouetten. Manche stechen durch den Nebel ins Auge. Und manche werden eins mit ihm, wie diese Geisterstadt. Ich habe seit zehn Jahren nicht mehr daran gedacht. An meinem achtzehnten Geburtstag war alles wie weggewaschen. Doch nun wird eine gefährliche Erinnerung wach und sie jagt mich. So, wie mich Silent Hill durch den Wald gejagt hat, als ich geflohen bin.
Nun ruft sie mich zu sich.
Meine Schwester wartet. Irgendwo in diesem Ort.
Mein Name ist Victoria Waters.
Und ich bin ein Kind von Silent Hill.


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Ja, ich lebe! Ich bin am Leben und schreibe wieder. Endlich mit neuen Ideen und einer ganz neuen Geschichte. Dieses Mal dreht es sich um Silent Hill und die junge Victoria Waters, deren Abenteuer ihr ab jetzt verfolgen dürft! Ich werde versuchen, jedes Wochenende zu posten, verspreche aber nix. Trotzdem wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass euch mein neues Projekt gefällt!

Bis dann,
Maexwell.

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