Also...was mache ich hier? Ich weiß, mit wem sie zusammen arbeiten. Ihre...nennen wir sie "freiwilligen" Testsubjekte, sind mir alle bekannt. Alles gesuchte Männer und Frauen, die schon hunderte Male im Fernsehen waren und vielen armseligen Familien die Chance gegeben haben, aus dem Toden ihrer Angehörigen ordentlich Kohle mit Promotion zu ziehen. Es dreht sich alles nur noch um Geld, habe ich Recht, Naumann? Ich verachte sie alle. Aber...bleiben wir vorerst bei der Frage, warum ich hier bin, okay?
Ich bin zufällig auf eine ihrer Anzeigen gestoßen. Sie suchen nach Probanden für ein Projekt, wie sie es nennen. Ein Konfrontationsprojekt, bei dem psychisch gestörte mit Ihresgleichen konfrontiert werden, was, wie sie vermuten, wie ein lebendiger Spiegel wirken soll und somit den Kopf des Betroffenen für eine Heilung eröffnen soll. Interessant, ja, aber...was bewegt sie dazu? War es ihr Vater? Oder ihre Mutter? Ah...der Vater...Ach, wissen sie, ich habe da ein Talent, aber später mehr dazu. Bleiben wir bei unserer ersten Frage. Ich sah diese Anzeige und es war, als würde sie mich rufen. Verstehen sie mich nicht falsch, ich bin kein Serienkiller. Ich habe noch keinen Mord begangen und kein Verbrechen, von dem jemand etwas wüsste oder das zu nennen es sich lohnen würde. Fragen sie die Menschen, die ich um mich schare, und sie werden sie sagen hören "Max, das ist ein liebevoller Mensch. Intelligent, empathisch, hilfsbereit, humorvoll, talentiert, bla bla bla." und ich würde daneben stehen und ein paar Tränchen hervorkämpfen und nicken. Und dann fragen sie die Leute, die mich hassen, von denen es wirklich nicht wenige gibt, und die werden sagen, ich wäre ein verlogenes, hinterhältiges, unzuverlässiges Schwein mit narzisstischen Zügen und dass ich irgendeine Krankheit verdient hätte. Aber wissen sie, was das witzige ist?
Niemand von ihnen hat Recht.
Seien wir mal ehrlich, man kennt sich selbst immer am besten. Da müssen wir uns nichts vormachen. Und wenn sie mir zugehört haben, werden sie wissen, welches Wort in diesem ganzen Gefasel das wichtigste war. Ah...ich sehe, sie haben mir zugehört. "Noch nicht", ja, NOCH. Ich bin ehrlich zu ihnen, ich bin nicht wie die da in ihren Zellen. Ich höre keine Stimmen und hatte keine traumatischen Ereignisse in meiner Kindheit, die einen oder mehrere Morde rechtfertigen würden. Ich...stelle es mir nur gern vor. Die Menschen sehen mich jeden Tag, wenn ich das Krankenhaus betrete oder die Schule und sagen, dass ich ein Lächeln ins Gebäude trage, das ansteckt. Doch dahinter habe ich schon wenigstens acht von zehn der mir entgegenkommenden Menschen auf irgendeine Art und Weise umgebracht. Und sie werden jetzt sagen, dass es typisch ist und dass es vielen Menschen so geht, negative Lebenseinstellung, Depressionen aber bitte...verkaufen sie mich nicht für dumm. Ich stelle mir nicht vor, sie in einen Häcksler zu werden oder sonst irgendwie abenteuerlich umzubringen. Nein, meist schleiche ich mich an und durchtrennen einfach die großen Halsgefäße. Sauber, schnell, effizient. Oder ich komme ihnen entgegen, remple sie an, entschuldige mich lächelnd und als Antwort kommt ein feuchtes Gurgeln ihre Kehle hinaufgeklettert. Game Over, das war's. Und immer, wenn ich daran denke, durchströmt mich eine mir sonst fremde Euphorie. Meine Fingerspitzen kribbeln, mein Herz hämmert wie wild und ich grinse. Natürlich empfinde ich wie alle anderen Menschen auch. Hass, Liebe, Freude, Empathie, Angst...ich bin, wie gesagt, keiner dieser Psychos. Aber wenn sie sich bei einer Sache zu 100% sicher sein können, dann ist es, dass ich jemanden töten werde. Ich werde viele Menschen töten. Und ich möchte nicht einmal etwas daran ändern. Was ich dann hier suche? Anregungen. Nervenkitzel. Vielleicht auch...Opfer. Wer weiß das schon? Ich meine...Während wir hier sitzen habe ich sie im Kopf schon zweihundert Mal umgebracht. Beispielsweise auch mit der Nadel ihres hübschen Metronoms. Sie benutzen es, um ihre Patienten nervös zu machen, habe ich Recht? Damit alles aus ihnen heraussprudelt. Ein feiner Schachzug, aber sie wissen sicher bereits, dass ich mit ihnen auf einer Augenhöhe bin, was den Intellekt angeht. Ach...dieser Narzissmus ist eine herrliche Angewohnheit!
Niemand würde mir den Intellekt zutrauen, der sich hinter meinen harten, aber freundlichen Augen verbirgt. Aber sie sehen es, oder? Eifrig versuchen sie, jedes Wort mitzuschreiben, aber etwas an der Bewegung ihrer Hand verrät mir...oh, wirklich. Es WAR ihr Vater. Sie waren Linkshänder, und er hat sie gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben. Und immer, wenn sie sich dabei erwischen, wie sie die Hand wechseln wollen, beginnen sie, zittrig zu werden. Wie hat er es gemacht? Hat er sie geschlagen? Eingesperrt? Er hat ihnen vieles angetan, oder? Deswegen sitzen wir jetzt hier, wir zwei.
Machen sie sich keine Gedanken. Ich bin kein Hellseher, aber ich weiß mittlerweile sehr viel mehr über sie, als sie über mich. Aber das ist normal, so geht es allen. Ich habe...ein sehr gutes Auge für Details, und deswegen...werden sie vielleicht die Ehre haben, mein erstes Opfer zu sein! Wäre das nicht spaßig? Während ihres Projektes zur Heilung psychisch kranker Serienkiller werden sie von dem einzigen Mann getötet, der vorher noch nie einer Fliege was zuleide getan hat.
Wir zwei sind auch nur Kreaturen der Spezies Mensch, gefangen in diesen Fleischgefängnissen und so erbärmlich und verachtungswürdig wie alle anderen. Ich fand schon immer, dass wir unser kommendes Ende verdient haben und wir führen es selbst herbei, weil wir, in meinen Augen, noch immer die dümmste Spezies auf diesem Planeten sind. Wir zerstören alles, was uns am Leben erhält, um Dinge zu bauen, die uns töten und ich werde meinen Beitrag zur Ausrottung dieser widerwärtigen Tiere leisten. Sie sehen es mir an. Sie sehen mir an, dass ich es ernst meine und an ihrer straffen Haltung kann ich erkennen, dass sie bereit sind, zurückzuschlagen, falls es mich überkommt. Aber wir zwei sind ehrlich zueinander, ich würde sie nie einfach so angreifen. Zu subtil. Zu vorhersehbar. Und vor allem greift man kein Tier an, das sowieso dem Tode geweiht ist.
Paul. So heißt du doch, oder? Paul Wilfried Naumann, der ausgezeichnete Psychologe. Du schwitzt, zitterst, schreibst nicht mehr und siehst, dass ich seit fünf Minuten nicht mehr geblinzelt habe. Und plötzlich fühlst du dich kalt...einsam. War es auch einsam, als dein Vater die malträtiert hat? Sicher war es das. Ich werde jetzt nach Hause gehen, ich weiß alles, was ich wissen muss. Ruf mich an, wenn dein...Projekt...beginnt, Paul. Bis dahin überlege ich mir, womit ich dich beim nächsten Mal überrasche. Dass du noch Zweifel hast, dass ich hierher gehöre, steht völlig außer Frage. Ich sehe es dir an. Und jetzt werde ich gehen, der Rezeptionistin nett zulächeln und meinen Auftritt beenden, wie ein braver Schauspieler.
Meine Klimax ist bald gekommen, Paul. Der Höhepunkt rückt immer näher, mit jedem Ticken deines Metronoms.
Wir sehen uns bald wieder.
Enttäusch mich nicht. Denn...wie du sehen wirst, gibt es noch weitaus grausamere Menschen auf dieser Welt als die, welche du zu kennen glaubst.
Tick, Tack, Tick, Tack...die Zeit läuft, Paul Naumann...
Anmerkung:
Dieser junge Mann...der Gedanke an diesen Blick, so starr und fast greifbar, lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Er ist absolut schizophren, daran gibt es keinen Zweifel. Nur...wohnen in ihm nicht zwei Geister, sondern er IST sein zweites Ich. Es ist wie ein Spiegelbild, das in ihm ruht. Er hat noch niemanden getötet und auch sonst keine Verbrechen begangen, ich habe alles geprüft. Er kam nur mit dem Gedanken, etwas Nervenkitzel zu erleben, zu mir und konnte mich überzeugen. Wie er...diese Dinge erkennen konnte, welche so unaussprechlich auf mir ruhen, ist mir ein Rätsel, das alles geht weit über eine gute Menschenkenntnis hinaus. Er ist bis jetzt der vielversprechendste Proband, auch, wenn ich mir um mein Leben Sorgen mache. Denn einen Mord, geführt von der Hand eines Menschen, der noch nie jemandem etwas getan hat, ist leicht auf jemand anderes abzuwimmeln und das bereitet mir Kopfschmerzen.
Es warten noch zwei Probanden in den nächsten Tagen, dann wird mein Projekt "Seelenspiegel" beginnen. Hoffen wir, dass bis dahin alles gut wird. Doch ich frage mich noch immer, woher er meinen zweiten Vornamen wissen konnte. Etwas stimmt hier nicht.
- Anmerkung: Ende -
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Tjah, was soll man sagen. Die Ausbildung frisst mich auf, Arbeit im Krankenhaus, bla bla bla, interessiert keine Sau. Hier ein neuer Eintrag. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Ahnung, was ich noch dazu schreiben soll, also nehmt's mir nicht übel! Ich bin eigentlich ziemlich stolz auf diesen Text, weil er, in meinen Augen, sehr echt wirkt. Naja, ich hoffe, dass ihr wieder viel Spaß beim lesen habt!
Bis dann,
euer Maexwell!

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