Sonntag, 10. April 2016

Die Kinder von Silent Hill - Ankunft

Ich umklammerte das Lenkrad so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass ich angekommen war. Dass es kein Zurück gab und gerade wollte ich nichts anderes, als umzudrehen. Allerdings wusste ich, dass hinter mir ein Abgrund wartete. Niemand entkam einfach so aus dieser Stadt. Das Foto lag noch immer auf dem Beifahrersitz und als ich es erneut ansah, wurde ich panisch. Ich griff meinen Rucksack und sprang aus dem Auto. Danach nahm ich meine Flinte, schwang sie mir über die Schulter, setzte meinen Rucksack auf und ging langsam zur Beifahrertür. Meine Hände waren kalt vom Schweiß, doch in mir kochte alles. Ich hatte einen plötzlichen Adrenalinstoß und mein Fluchtinstinkt schrie mir in die Ohren wie ein angestochenes Schwein, doch gleichzeitig rief mich dieses Foto. Meine Knie bebten, als ich die Tür öffnete und das Foto griff. Ein breites Grinsen hatte sich auf den Lippen meiner Schwester ausgebreitet. Ich entließ einen stummen Schrei in die Hand, die ich mir vor den Mund schlug. Ich wankte ein paar Schritte zurück, dann begann das Foto zu brennen. Kurz darauf stand mein ganzes Auto in Flammen. Ich war wie gelähmt. Und es hätte auch keinen Sinn gehabt, es löschen zu wollen. Man wollte mich hier behalten. Um jeden Preis.

Ich zog die Knie zum Kinn und beobachtete die zischenden Flammen. Ich fühlte mich leer und finster. Als hätte man mir alles Leben aus dem Körper gesaugt und nur Schwärze hinterlassen. Ich seufzte auf und stellte mich hin. Bereit, mich meinem Albtraum zu stellen. Und erst jetzt wurde mir klar, dass ich nicht mal mehr wusste, wann ich die Entscheidung getroffen hatte, hier her zu kommen. Ich wurde panisch, erneut schrie mir das Adrenalin durch die Adern und ich rannte los, mitten in den kalten Nebel der Stadt. In diese weiße, seelenlose Gestalt, die sich vor mir auftürmte.
Ich rannte. Ohne Zeitgefühl oder Orientierung bewegte ich mich durch die Straßen der Stadt. Ich suchte verzweifelt nach irgendwelchen Anhaltspunkten. Nach irgendetwas, das mir verriet, wo ich war. Shit, diese Stadt ist so riesig. Sie grenzt an einen schier endlosen Wald, an Berge und den Toluka Lake. Ich war so lange nicht hier. Wie hätte ich mich auch zurecht finden sollen? Und dann sah ich es vor mir.

Vor mir im Nebel erschien eine Gestalt. Nur Umrisse waren zu sehen, ein dumpfer Schatten stand einfach so da. Er regte sich nicht. Sprach nicht. Ich weiß nicht mal, ob es atmete. Ich hielt abrupt an und versuchte, meinen Atem ruhig zu halten. So, als wollte ich verhindern, dass man mich hörte. Dabei war das vollkommen unnütz, da mich die Gestalt wahrscheinlich sowieso schon gesehen hatte. Ein paar Schritte entfernt stand die Gestalt einfach da. Wir starrten uns an, ich fühlte die kalten Blicke auf mir. Sie durchbohrten meine Augen und entfachten ein Inferno in meinem Kopf. Ich schrie auf und ging auf die Knie. Der Schmerz durchzuckte mich nur ein paar Momente, doch es reichte aus, um mich lahm zu legen. Und als ich mich wieder umsah, war die Gestalt verschwunden. An ihrer Stelle lag nun etwas Glänzendes. Ich kroch auf Knien darauf zu und als ich es erreichte, schoss mein Puls in die Höhe. Ich griff danach und sah nun, was es war: Ein kleines, silbernes Medaillon. Es kam mir so bekannt vor...und als ich es berührte, wurde mir klar, warum. Schon der Hauch einer Berührung reichte aus, um einen Flashback in meinem Kopf auszulösen. Ich machte eine kleine Zeitreise. Wieder fand ich mich im Waisenhaus.

Und hier solle ich meine ersten Hinweise finden...


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